FRANKE RÖSSEL RIEGER

A R C H I T E K T E N

SCHWANTHALERSTR.12

D-80336 MÜNCHEN

FON +49-(0)89-759400-50

FAX +49-(0)89-759400-70

Krüner Straße BT25 Fernpassstraße, Hinterbärenbadstraße


- Städtebauliche Rahmenbedingungen
Sendling ist ein ehemaliges Industrie- und Arbeiterviertel in der Innenstadt Münchens.
Mietshäuser und genossenschaftliche Bauten prägen auch heute noch das Bild des
dichtbesiedelten Stadtteils. Das nähere Umfeld ist dagegen, historisch betrachtet,
noch relativ jung. Nach 1945 entstanden hier im Bereich Sendling–Westpark viele
Sozialwohnungen für die vom Krieg ausgebombten und evakuierten Münchnerinnen
und Münchner. 1983 erhielt das von verschiedenen Verkehrsachsen durchzogene und
damit stark belastete Viertel durch die Internationale Gartenbauausstellung (IGA) ein
großes Naherholungsgebiet und Ausflugsziel für viele Bürgerinnen und Bürger.
Charakteristisch für Sendling-Westpark sind die mehrgeschossigen Wohnhäuser
entlang der Hauptstraßen. Ebenfalls typisch für diesen Stadtteil sind Ein- und
Zweifamilienhäuser. Weiter prägen das Viertel wichtige öffentliche und zentrale
Einrichtungen wie die Behindertenwerkstatt „Lebenshilfe Werkstatt“, das
Spastikerzentrum mit Rehabilitationsschule und Berufsbildungswerk, die bayerische
Schule für Gehörlose, das städtische Altenheim St. Josef, die Zentrale des ADAC, die
Zentrale der Fraunhofer-Gesellschaft, die Kfz-Zulassungsstelle und der TÜV
Süddeutschland.
In diesem heterogenen aber kräftigen Umfeld liegt das städtebauliche
Sanierungsgebiet zwischen Garmischer- und Fernpassstraße, entlang der Krüner und
Hinterbärenbadstraße. In den 50er und 60er Jahren entstand hier eine
Wohnbebauung, die den heutigen Standards nicht mehr gerecht wird und in 5
Abschnitten ersetzt werden soll. Prägend und städtebaulich bestimmend für dieses
Quartier ist ein wunderschöner erhaltenswerter Baumbestand, der den Rahmen für
eine wirtschaftliche, funktionale und gut gemischte Wohnbebauung bilden soll. Die
beiden vorgestellten, unterschiedlich ausgeprägten Neubauten an der
Hinterbärenbadstraße und an der Fernpassstraße sind die ersten Bausteine.
- Architektur
An der ruhigen Fernpassstraße bilden 38 geförderte Mietwohnungen, überwiegend für
Familien geplant, den Anfang des Quartiers. In einem strengen, rhythmisch
gegliederten Baukörper weisen die Individualräume nach Osten zur Straße, das
gemeinschaftliche Kochen-Essen-Wohnen liegt nach Westen zum Park, ergänzt durch
großzügige, vorgestellte Balkone bzw. Terrassen und Hausgärten.
Im Gebäude an der Hinterbärenbadstraße, gegenüber der Fernpass-Grundschule von
Gustav Gsaenger aus den 50er Jahren, befinden sich unterschiedliche Nutzungen :im Erdgeschoss und 1.OG eine Kooperationseinrichtung (Krippe, Kindergarten, Hort)
der LH München, darüber 2 Senioren-Wohngemeinschaften (geförderter
Mietwohnungsbau) und 2 Arztpraxen.
Die Senioren-Wohngemeinschaften bieten eine besondere Wohnform für das Alter, die
dem Wunsch nach mehr Selbstbestimmung und dem möglichen Verbleiben in der
gewohnten Nachbarschaft entgegenkommt. In diesem Fall noch besonders glücklich
unterstützt durch die Arztpraxen und belebt durch das Spielen der Kinder in der
unteren Haushälfte.
Die Gemeinschaftsbereiche der WG liegen im Norden, das gemeinschaftliche Wohnen
mit großer Loggia fängt die südwestliche Nachmittags- und Abendsonne ein. Diese
Bereiche fördern Kontakt und gegenseitige Hilfe und bieten Platz für die ambulante
Pflege oder einen Gast.
Die einzelnen, autarken Individualbereiche sind nach Süden zum grünen Innenhof
orientiert. Sie bieten einen vollständigen privaten Rückzugsbereich für den Einzelnen.
Baukörper und Fassade reflektieren die vielfältigen Nutzungen und sind in Duktus und
Detailsprache jedoch logische Ergänzung zum stringenten Baukörper an der
Fernpassstraße.
Das neu Gebaute soll durch die Vielfalt der Nutzungen sozial integrieren, die hohe
Qualität der Außenräume erhalten und eine große Qualität der Innenräume bieten. Es
ist robust, mit Gebrauchswert und bildet mit einfachen, bezahlbaren Strukturen den
kräftigen Rahmen für die individuelle Gestaltung der privaten Bereiche.
Entstehen konnten diese „Startbausteine“ durch eine sehr intensive und vernetzte
Zusammenarbeit zwischen Planungsbeteiligten, Bauherrschaft und LH München.
Stadtplanung, Genehmigungsbehörde, Stadtsanierung und Wohnungsbau,
Sozialreferat, Wohnungsamt und nicht zuletzt das Schul- und Kultusreferat haben
vorbildlich Ihren Beitrag für eine soziale Stadt geleistet, stellvertretend und in
Verantwortung für die späteren Mieter und Nutzer.
- Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit
Die Wirtschaftlichkeit des geförderten Wohnungsbaus an der Fernpassstraße wurde
erreicht durch die sparsame Erschließung (barrierefrei), die einfache monolithische
Massivbaukonstruktion, die Stapelung gleicher Einheiten, den kompakten Baukörper
und durch die Wiederholung einfacher, bewährter Details.
Im Gebäude an der Hinterbärenbadstraße ermöglicht die tragende Struktur mit
Plattendecken auf nur einer Mittelstützenreihe die Stapelung der unterschiedlichen
Strukturen/Nutzungen und lässt spätere Änderungen zu.
Der ruhende Verkehr ist in einer vorgelagerten Tiefgaragen untergebracht.
Die Gebäude wurden nach dem Öko-Kriterienkatalog der LH München errichtet
(Ausnahme Kunststofffenster wegen Unterhalt) und unterschreiten die Vorgaben der
EnEV um ca. 20 %.