FRANKE RÖSSEL RIEGER

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P d T   collage 20151209fra
P d T collage 20151209fra

 

 

Es wird dunkel. Viel zu früh. Sehr persönlich.

 

Um die restlichen Kontraste mit den Augen abtasten zu können, ist es gut, eine leichte Schrift mit  g r o ß - zügigen Zwischenräumen zu wählen.

In einem karg beleuchteten Grün eines Parks ist es gut, wenn die Bäume weite ungesäumte Gassen lassen. Dann kann man sich nicht so leicht stoßen an der schorfigen Rinde.

 

Früher hörte ich in dieser Jahreszeit gerne Sibelius und Grieg, stellte aus norwegischem Wachs gezogene Kerzen auf und trank besten Aquavit zur elegischen Vinyl-Musik.

Der Genuss des Destillats erleichterte das Denken an eine ferne nordische strohblonde Liebe, die nichts wagnerisches an sich hatte und beileibe keine Brünhilde war.

 

Damals liebte ich das frühe melancholische Dunkel und löste mich in ihm und im Destillate auf wie ein Gemüse-Brühwürfel in einem Pott mit heißem Wasser. Die jungen Augen beherrschten die Dunkelheit perfekt, damals.

Jetzt, Jahrzehnte später, erinnert die lichtarme Zeit eher an das Vergängliche, sie quillt auf wie Hefeteig, behindert die ohnehin geschwächte Sehkraft und entzaubert die einstmals wohligen Gedanken zur trüben Erinnerung.

 

Alles ist reduzierter geworden. Urlaube sind selten, lebenslanger Urlaub wird dann gemacht wenn man gestorben ist.

Und weil man nunmehr unbestritten nicht mehr im Wachstum ist kann auf einen Großteil der Nahrung verzichtet werden und auf vieles mehr.

Was der Mensch wirklich braucht ist noch viel weniger, als sich selbst Bescheidenste so vorzustellen vermögen.

 

Das war in den Siebzigern in meinen Zwanzigern, die in der Erinnerung immer noch zuckend vor den Augen kreisen.

 

Das ist jetzt in den Zehnern in meinen Sechzigern, die bei näherer Betrachtung langsam ins Unsichtbare abgleiten.

 

 

P d T   collage 20151209fra
P d T collage 20151209fra