FRANKE RÖSSEL RIEGER

A R C H I T E K T E N

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Am 4. Juli waren wir überraschend unerwartet Weltmeister in Bern.

Am 2. Oktober war ich da, urplötzlich.

Und er war auch da. Der Château Latour, ein 1er Grand Cru, gut zu trinken.

Vater nahm ein Schlückchen auf die Geburt seines Sohnes, Mutter durfte nicht aus verständlichen Gründen. Der Jahrgang des „Schlosses“ ist mir nicht bekannt.

Für mich war´s noch nichts. Wein kam erst später.

Den Château Latour leistete ich mir bis heute äußerst selten, eigentlich gar nicht, um ehrlich zu sein.

Geraucht hatte ich auch noch nichts zur Feier des Tages. Zigaretten und Zigarillos kamen erst später.

 

Das Wetter war nicht gerade prickelnd Anfang Okt., soweit ich mich erinnere.

Augustaanlage, Mannheim, dort war der Stall, in dem ich nackt auf bissigem Stroh lag.

Wenn mich nicht alles täuscht, träumte ich schon damals von einer KS 50 Super Sport. 85 km/h Spitze, 6,25 Pferde bei 8400 U/min.

Testfahrten gab es dann in den Anfangssiebzigern meist auf der Südlichen Auffahrtsallee des Nymphenburger Kanals, Bereich östlicher Kessel, München Neuhausen.

Nach jeder Testfahrt waren die Fußrasten blank geschliffen und die Blinker abgebrochen wegen der Schräglage oder der viel zu schrägen Schräglage.

Man konnte Ruhm ernten, wenn überlebt wurde. Kein Helm, keine Brille, kein Nierengurt und barfüßig. Ganz pur.

 

Im Winter, so 1969/73, war der Posten des Billetl-Kontrolleurs auf der Eisbahn des Nymphenburger Kanals begehrt.

Fahren konnte ich perfekt, vorwärts und rückwärts übersetzen, Dipfitanz eh klar, Eishackeln und fast unschlagbar beim Katz- und Mausspiel.

Am linken Oberarm prangte das Band mit der Aufschrift in Großbuchstaben: K O N T R O L L E, textil - nicht als Tattoo.

„Griaß Gott, ham Sie a Kartn?“. Nein. „Guad, dann gengas zoin oder hoam“.

Das gelöste Billet steckte ich dann persönlich an das Oberbekleidungsstück mit ganz normalen Stecknadeln.

War die Jacke dünn, konnten leichte Stichwunden nicht ausgeschlossen werden.

Ich war eine Macht, eine Respektsperson sozusagen, fast so eine Art verhinderter Rockstar für die jungen Neuhauserinnen.

 

Im Sommer, so 1971-1972 wurde nachgelegt. Das Magdalenenfest im Hirschgarten, respektive der Autoscooter am dortigen Ort, schrie nach einem Einparker und Kassier. „Junger Mann zum Mitreisen gesucht“. Ich bekam den Job, reiste aber nur in München und Umgebung mit.

Freie Fahrt für freie Bürger, der Chip hing an meiner selbst geschossenen roten langstieligen Kunststoff-Rose und war unendlich oft wiederverwendbar. Scootern for free.

Das Wort „geil“ gebrauchte man damals noch in ganz anderen Zusammenhängen.

Die mir schon bekannten Mädchen von der Eisbahn lehnten an der Reling oder saßen auf ihr und bestaunten meine Ritte auf dem elektrischen Pferdchen.

Mann, war ich lässig. Cool kam erst später, da war ich allerdings schon zu alt für diese Mädchen.

 

Das war der Auftakt zu keiner Karriere.

Dies hat bis heute angehalten. Dabei lebt es sich relativ unbeschwert oder: ich habe mich darüber nie beschwert.

 

Sollte ich mal ein Schild mit der Aufschrift „Alter Mann zum Mitreisen gesucht“ entdecken, dann pack ich´s vielleicht.

 

Heinz Franke 20180201

 

 

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Mr. James Brown

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