FRANKE RÖSSEL RIEGER

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20091001fra
20091001fra

 

 

Bagage et Chaiselongue et Plafond

 

 

unsere urgroßen Mütter und urgroßen Väter, unsere Urgroßmütterväter waren noch des Französischen mächtig, besonders die bayrischen Südlichter. Napoleon sei Dank.

 

Völlig außer Atem donnerte ich die Bagage ins Eck, nachdem ich der Bagasch im Glasscherbenviertel gerade noch mit größter Mühe entkommen war. Ich zog meine saftelnden Stiefel nicht aus, lagerte meinen atemlosen Körper auf dem Schäßlong und stierte auf den Plafond mit glasigen Augen, die vom salzigen Schweiß brannten wie Feuer.“

 

Außer der Bagage, dem Chaiselongue und dem bröseligen Stuck

(le stuc)am Plafond war nichts im Zimmer, was als qualitätiv hoch eingestuft werden konnte, ich eingeschlossen. Ein aktenloser Raum zum Glück.

Aber ich fühlte mich quasi wie hoch gehoben auf den Thron - eines Hochstaplers. Das ist schon lange her.

 

Und hoch war die Decke. Über den approximativ 13 Quadratmetern im Horizontalen schwebte in 3,8 Metern der Plafond. Es handelte sich um eine Art Mausoleum, allerdings mit südlichem Tageslicht-Eintrag.

Für Vampirys absolut nicht geeignet. Sie würden zu Staub zerbröseln, von dem es hier im Zimmer schon jede Menge gibt.

 

Man glaubt es kaum, ist man müde genug, dann kann einen auch das strahlende Südlicht nicht vom Schlafen abhalten, wenn man kein Vampiry ist.

Ein Beamtenschläfer z.B. muss das beherrschen, sonst kommt er vor lauter Aktenwust ja nie zur Ruhe.

Und plötzlich schießt man dann hoch, weil der Magen knurrt.

Was gibt es denn heute in der Kantine?“.

Gegrillten Leberkäs ohne Ei mit Pommfritz, und als Nachspeiserl Apfelmus aus dem Glas mit Sahne aus der Spritzdose. Auf Essens-marken für DM 2,30. Alternativ ein Böfflamott mit Kartoffelpü für DM 4,20 zuzüglich hausgemachtem Birnenkompott mit frisch gehobelten Schokoladenstreuserln“.

 

Nach dem Essen als Gast-Kantinenbesucher legte ich mich wieder auf das Schäßlong und starrte auf den Plafond, solange, bis ich eingenickert war.

Um 15:15 wurde ausgestempelt, schließlich war ich seit 6:30 im Amt, und das seit 25 Jahren, Tag für Tag, fast...

 

Bonne journée!

Bong schuane !