FRANKE RÖSSEL RIEGER

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Lou 20091015fra
Lou 20091015fra

 

 

Gedanken zur Güte

 

 

Niemals habe ich Vorsätze für das Neue bei mir entdeckt.

Es ging eher um das Bewahren gewohnter Schönheit, der Lust daran und um Neugier für das Neue.

Aber Bewahren kann man nur das, was von den Lebensdünen nicht stürmisch zugeweht wurde.

Es wieder auszugraben, dazu fehlt allzu oft die Kraft und Sinn macht es auch nur selten.

Das Meiste ist anders geworden, das Wenigste hat sich zum Besseren verändert.

Ich friere jetzt auch in heißen Sommern.

 

Die Wärme spendet dann ein Schal, der aus verschwommenen Erinnerungen besteht.

Schon bei Geburt stirbt man den ersten Tod und macht sich auf den dornigen Weg zum Zweiten.

Verbleibende Zeit wird mit den Jahren anscheinend immer wichtiger.

Dies gilt für Alle und für Jeden, ohne Ausnahmen.

Nicht Reichtum und nicht Armut kann davor schützen.

Vor diesem Gesetz sind wir alle gleich.

 

Die Unzulänglichkeiten nehmen zu; es sollte Vergnügen bereiten, sie mehr und mehr zu begreifen.

Schief eingeschlagene Nägel und rissige Wände verlieren ihren Schrecken und sind plötzlich schön.

Ein Blick in den Spiegel wirkt wohltuend. Da schau her, das Alter wird ja ständig älter.

Zurück wird Voran, bis man beim Anprall an die Realität kurz? das Bewusstsein verliert.

Alle sind gestorben, wenn es Zeit dafür war. Auch die, denen man ewiges Leben wünschte.

Der Trost ist, so wird es einem selbst auch ergehen, das Leben ist dem Menschen abhold.

 

Und wenn man resümieren kann, „es war irgendwie auch schön“, gehört man zu den Auserwählten.

Demut ersetzt den Jammer, Versäumnisse verlieren an Bedeutung, da wird der Wortschatz schmal.

Wie gerne hätte man sich mehr gewehrt, wie gerne hätte man mehr aufbegehrt.

In diesem Sinne gibt es nur wenige Auserwählte. Die Schwäche ist des Menschen Stärke.

Da ist keine Trauer im Endlichen.

Das Endliche kommt immer zu früh. Das Endliche ist unausweichbar. Das Endliche ist ein Segen.

 

Ein neues Jahr ist kein neuer Start, die Zeit rennt weiter, kennt kein Datum, wir rennen hinterher.

Flanieren sollten wir stattdessen wie Flaubert, vielleicht auch ohne Ziel, auf jeden Fall ohne Uhr.

Lassen Sie sich Zeit, jede Sekunde existiert nur einmal, ist sie vorbei  ist sie verschwunden.

Eine Bank im Park ist ein Solitär und kann doch von mehreren besetzt werden.

Und gibt es keinen Platz mehr auf ihr, dann ist die nächste Bank nicht weit davon.

Jetzt muss ich weiter, ich habe wenig Zeit. Die Uhr hat soeben dreizehn geschlagen.  

 

 

20180101fra