FRANKE RÖSSEL RIEGER

A R C H I T E K T E N

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Die Ver-Selbst-Ständigung der Kritikaster


Betrachtet man die Baugeschichte, so ist festzuhalten, dass diese die überwiegende Zeit ohne Sachverständige, Entwickler und Controller erfolgreich ausgekommen ist.

Ohne DIN und anerkannte Regeln der Technik.

Es stellt sich die Frage, wie die Entwicklung und der Fortschritt im Bauen gewesen wäre, hätte es den mittlerweile anerkannten Elitarismus der Rechthabergilde schon immer gegeben?


„Was war zuerst da, die Henne oder das Ei?“ würde hier weitergedacht bedeuten: „Wer war zuerst da, der Architekt oder der Sachverständige?“

Die Antwort ist ohne Zweifel eindeutig: „der Architekt, früher auch Baumeister genannt“.


Was ist in dieser „Kenner-armen-Zeit“ nicht alles entstanden, was die Kulturbeflissenen heute noch in Wallung hält:


die Pyramiden

Rom und Athen

der Machu Picchu

Kathedralen über Kathedralen

Venedig

Neuschwanstein

der Glaspalast von Joseph Paxton

der Eiffelturm

das Empire State Building

Brasilia von Oskar Niemeyer

die olympischen Anlagen von 1972

… und unzähliges mehr.


Ein Sachverständiger -gibt es auch eine Sachverständige?- versteht expressis verbis also von der Sache etwas; nämlich von einer ganz bestimmten Sache, sonst müsste es ja wohl Sachenverständiger heißen.

Ein Architekt oder eine Architektin versteht von allen am Bau vorkommenden Sachen nichts, gerät er oder sie postum erst einmal in die Klauen der Besserwisser.

Da der Sachverständige (oder die Sachverständige) sich am in Fortbildung erworbenen geschriebenen Wort orientiert und danach sicher und mit unumstößlicher Wahrheit urteilt, kann es de facto eigentlich keine geteilte Meinung und damit keinen Fortschritt beim Bauen geben.

Was nicht existiert, darüber wird hier nicht „sachverständigt“, außer es handelt sich um Höheres, um Literatur, ihre Prosa und deren Visionen und Spannungsbügel.

Was nicht geschrieben steht, in DIN-Vorschriften, in Anerkannten Regeln der Technik und sonstigen „Hirnfesseln“ ist per se nicht möglich oder wird auch „der Mangel“ genannt.

Der Sachverständige ist ein eindimensionaler Mensch und urteilt doch über die 3 Dimensionen beim Bauen.

Warum gibt es eigentlich keine SVs, die all die Inhalte beurteilen können, wie sie Architekten bearbeiten und koordinieren müssen und dies dann stets so gänzlich falsch machen?


Die Architektenschaft ist eine Art „Arbeitsagentur“ für zum Bauen zu feige Wahrsager.

Gäbe es keine Sachverständigen, so gäbe es doch „Architekturschaffende“.

Gäbe es keine „Architekturschaffenden“, dann wäre das „Gutachtern“ auf tönerne Füße gestellt.

Wir erwarten als Arbeitgeber von der Zunft der „Klugen am Bau“ mehr Demut, eine gewisse Dankbarkeit für unseren Mut „Fehler zu machen“ und Umsatzbeteilung an ihren Honoraren.

Wo keine Fehlerbehauptung erstellt werden kann, ist ein Sachverständiger nämlich ohne Brot!

Und die Kammern der Architekten und Architektinnen und die die Ausführenden vertretende IHK schneiden ihren ihnen anvertrauten und Beitrag zahlenden Schäfchen in deren Fleisch. Diese Berufsstands-Vertretungen vertreten uns mehr schlecht als recht und sich dabei die Beine, ohne in Gefahr zu geraten, sich einen Bänderriss oder eine Sprunggelenksverletzung zuzuziehen.


Wie wäre eigentlich das Ergebnis, wenn 14 Sachverständige (pro Gewerk eine Person) ein Bauwerk errichten würden?


Die nachstehend zitierte Anfrage eines Sachverständigen beim zuständigen Vorsitzenden in einem Streitfall vor dem Landgericht spricht Bände und für sich:

„...Sehr geehrter Herr Vorsitzender, da meine einzige Einnnahmequelle die Sachverständigentätigkeit ist, bitte ich sie höflich, meinen Stundensatz von € X auf € X+n zu erhöhen...“

Die Sachverständigentätigkeit ist also auch noch auf Mitleid und Gier gegründet, wie so vieles andere auch in unserer egomanen Gesellschaft.

PS.: unsere einzige Einnahmequelle ist übrigens die Architektentätigkeit!


Mangelhafte Schallschutzvorkehrungen z.B. werden von Nachlass- und Rabattsüchtigen mit großer Häufigkeit vorgeworfen. Schon ein sogenannter „50% Vergleich“ garantiert ein Finanzspritzerl für eine Reise mit der Aida oder ein Pelzchen für die Gattin gegen die Kälte der frostigen Jahreszeit.

Das wird doch in Gottes Namen mit Hilfe eines SVs noch „erwirtschaftet“ werden können, oder?


Der Mitarbeiter eines honorigen Bauphysikbüros hat in minutiöser Kleinarbeit die Vorgaben für die Planung und Ausführung erstklassig erarbeitet.

Eigentlich gut hörende Eigentümer, mit voll aufgedrehten Hörgeräten in der Ohrmuschel zum „Noch Besser Hören“ zusätzlich ausgestattet, haben in ihrem Wohntempel doch glatt das Propellern eines vorbeifliegenden Maikäfers vernommen und diese Wahrnehmung einem zweiten Bauphysikbüro mitgeteilt, mit der Bitte, doch eine zusätzliches Einkommen generierende Stellungnahme dazu abzugeben.

Sinnigerweise hatte der Mitarbeiter des honorigen Bauphysikbüros der Planungs- und Ausführungsphase mittlerweile das Pferd gewechselt.

Er wechselte in das zweite, vom Eigentümer beauftragte Bauphysikbüro.

Die Aufgabe lautete, wider besseren Wissens ein vorher nicht vereinbartes Anforderungsprofil bzgl. Schallschutz zu wählen, welches die Möglichkeit einer Reisegutschein-Akontozahlung für den Eigentümer ermöglicht.

Die Bewertung ein und desselben Mitarbeiters fiel reise- und pelzfreundlich aus.

„Zweifelderwirtschaft“ nennt man so etwas.


Na dann,

Gute Nacht Deutschland.


Beste Grüße,

Heinz Franke


Gute Nacht Deutschland 20140105fra
Gute Nacht Deutschland 20140105fra