FRANKE RÖSSEL RIEGER

A R C H I T E K T E N

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Collage White Magic 20141111fra
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Der Versuch einer Abhandlung über


Bauen als komplexer Prozess




Das eigene Werk zu bewerten sollte man eigentlich besser Dritten überlassen, wenn sie denn nicht der Kaste der (lohn)abhängigen Dampfplauderer, den blinden und tauben Beobachtern, den Feuilletonisten und Kritikastern angehören, die kompetent oft vieles in die Sparte „misslungen“ einordnen, um ihre eigene Existenzberechtigung mit adäquatem Ansehen auf höchstmöglichem Niveau zu platzieren.

Sie selbst sind wie Kulturbeflissene, die den sogenannten „Jahrhundert-Wein“ nach einer sogenannten„Jahrhundert-Operngala“ zu genießen wissen, obwohl billiger Fusel nach der selbstkritischen Betrachtung ihres Geschreibsels angebrachter wäre.


Spricht man freudig erregt über das selbst Geschaffene, im Vorliegenden über Gebautes, dann könnte dies aus Sicht der Dritten einen befremdlichen haut-goût besitzen.

Das eigene Werk „Frank und Frei“ selbst zu kritisieren bedeutet in der öffentlichen und veröffentlichten und schlecht recherchierten „Oberflächlichkeit des Denkens“ per se und per saldo die Einstufung in die Gruppe der Verlierer oder auch uncleveren Zeitgenossen. Unzulänglichkeiten

zuzugeben ist dumm.

Die nativ bayerische Diktion für die Akzeptanz eines nicht gänzlich gelungenen Beitrags oder das Überschreiten festgesetzter Grenzen wird oft verzeihend und zugleich lobend mit dem Satz „...aber a Hund is er scho...“ goutiert, wenn etwas zählbares dabei heraus gesprungen ist.

Trotz alledem sei im Nachstehenden der Versuch gewagt, dem eigenen Werk in aller Subjektivität ein Zertifikat zu verleihen oder es ihm eben zu verweigern.


Die Geschichte erzählt, dass der Präfekt des Kaisers Tiberius in Judäa und Samaria, Pontius Pilatus, sich - so steht es geschrieben bei Matthäus 27,24 (hier ist nicht Matthäus der Lothar gemeint) – seine Hände nach dem Todesurteil für Jesus Christus in Unschuld wusch und sein Gewissen zum Trocknen wahrscheinlich in weißes Linnen oder brokatene Seide schmierte.

Irgendwie drängt sich da der Gedanke an einige aktuelle justitiable Ereignisse und den monetären Ablasshandel der sogenannten Rechtsvergleiche vor Deutschen Gerichten auf.

In diesen Tagen wird z.B. die (groß)zügige Gewährung von Freigang für verurteilte Straftäter bevorzugt, um den gated communities der potenten Leistungsträger ihre Kundschaft nicht länger zu entziehen, als unbedingt erforderlich. Diese Clubs sind Orte für potente Minderheiten und dienen der Begegnung für Gleiche unter Gleichen, nach dem Motto: „man kann hier noch so lange wandern, ein Primus inter Pares steht neben dem anderen“ (frei nach Heinz Erhardt).


Mittlerweile stellen sich die geneigten Leser und Leserinnen wahrscheinlich die Frage, in welch einem Kontext diese Eingangstiraden mit der oben gewählten Überschrift stehen?!

Diese Einleitung ist metaphorisch zu übertragen auf die These: „Zusammenleben als komplexer Prozess“.


Und somit wären wir nach schaumiger Einleitung endlich beim Sujet des Bauens angelangt.


Hohe, ggf. höchste architektonische Qualitäten in Absicht - sprich Planung - und Ausführung

sollten immer oberste Prämisse sein, wenn eine grüne Wiese oder ein bestehender städtischer Raum auch nach dem baulichen Eingriff ein qualitätvoller Ort für Leben sein soll, und zwar für das Dreigestirn Flora, Fauna und Mensch.

Die Auseinandersetzung mit den spezifischen sogenannten „Planungsparametern“ ist im Menschen injiziert und wird unbewusst und bewusst seit Jahrtausenden fortgeschrieben und weiterentwickelt. Ihre emotionalen und geistigen Inhalte werden dem Homo sapiens und seinem Derivat, dem Homo oeconomicus, manchmal auch Homo novus genannt, zu Recht zugeschrieben.

Vergessen werden sollten bei dieser Aufzählung nicht der ausgestorbene Vorgänger des Homo sapiens, der Homo erectus, der Max Frischsche Homo Faber und der in letzter Zeit vermehrt auftretende Homo ludens.

Unsere Konzentration bleibt beim Homo sapiens, dem per definitionem heutigen „vernunftbegabten Menschen“. Wir können diesem - wie auch allen anderen oben genannten (Homos) Homines – diametrale Eigenschaften in vielfältiger Hinsicht zuschreiben.


Wir hören Immanuel Kant zu (Kritik der reinen Vernunft):

Die menschliche Vernunft hat das besondere Schicksal in einer Gattung ihrer Erkenntnisse: dass sie durch Fragen belästigt wird, die sie nicht abweisen kann, denn sie sind ihr durch die Natur der Vernunft selbst aufgegeben, die sie aber nicht beantworten kann; denn sie übersteigen alles Vermögen der menschlichen Vernunft.“

 

Wir hören uns selbst zu:

Zum Beispiel der „Stoiberschen“ Kompetenzkompetenz, dem Besserwissertum, der Ignoranz, den Desinteressen, der Umsatzgeilheit und seinem Geiz, der militanten Besitzstandswahrung längst überkommener Pfründe und Lehen und der wild um sich greifenden Unkenntnis - wider besseren Wissens oder ohne jegliches besseres Wissen.

All dieses kann parallel möglicherweise ein und demselben Homo kausal zugeordnet sein.

So etwas kann man mit Recht „mehrsprachig“ nennen, ohne Fremdsprachenkenntnisse zu besitzen.

Allemal beschreibt es ein tief religiöses Verhalten.

Ausgewählte Männer und Frauen tragen es nämlich mit hoch erhobenen Händen vor sich her, obwohl niemand „Hände hoch“ gerufen hat. Gleich einer Monstranz beim katholischen Hochfest zu Ehren der leiblichen Gegenwart von Jesu Christi, bei der Feier des vrône lîchaman Fronleichnam.


So eine Fronleichnamsprozession will geplant sein.

Beispielsweise die Orte der Prozessionsaltäre; der Schmuck mit Blumen und kardinalroten Stoffen in den Fenstern der Häuser; die temporäre Pflanzung von unschuldigen schmalen Birkenzweigen; die Auswahl der liturgisch bedingten Choräle; die Aufstellung und Reihenfolge der die Prozession begleitenden Honoratioren nach Stand und vermeintlichem Ansehen; die Politur der von den Gebirgsschützen getragenen Böllerhandfeuerwaffen; das Mahl nach dem Abendmahl, denn nach der Hostie ist vor dem Schweinebraten; nach dem Wein der Mess´ ist vor der Mass...


So ein (Stadt)-Baustein will geplant sein.

Beispielsweise müssen die Orte der Architekturaltäre sorgsam ausgewählt werden; das Ornament oder auch der Verzicht darauf muss in Adolf Loosscher Manier hinterfragt werden; sattes Grün ersetzt die unschuldigen schmalen Birkenzweige; die Choräle müssen in Zimmerlautstärke ertönen – wollen wir uns den Bestimmungen der diversen Hausordnungen nicht entziehen; um Waffen zu tragen bedarf es in unseren Landen einer Erlaubnis; zum Mahl nach dem Abendmahl wird das Filet eines einem persönlich bekannten irischen Angusrindes mit Zertifikat gereicht; beim Wein könnte man bleiben – wenn es sich um einen Château Latour aus 1961 handelt.


Der dazugehörige obligate optische Rundumgenuss bietet freien Alpenblick aus der freistehenden von edlen Bienenwachskerzen ausgeleuchteten Natursteinbadewanne. Ist man entsprechend ein- und angerichtet, können Angusrindfilet und Château Latour auch im Natursteinbecken genossen werden, so wie einst in den Holzzubern der mittelalterlichen städtischen Badeanstalten, damals bei Wein, Weib und Gesang.


Der Baustein sollte umgeben sein von gutem Licht, frischer Luft und strahlendem Sonnenschein.

Von Wohnhygiene also (Wohnhygiene hat nichts mit Händewaschen zu tun, vgl. Pontius Pilatus).

Sind diese Maximen gültig für Außen und Innen, dann spricht man von urban planning at its best.


Am Anfang steht aber nicht das Nachdenken über die Stadt an sich.

Am Anfang steht das Nachdenken über die, die die Stadt aktuell bevölkern oder künftig bevölkern wollen.

Am Anfang steht auch Mose:

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.
Und Gott sprach: Es werde Licht! und es ward Licht. Und Gott sah, daß das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis
und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.“


Das waren noch Zeiten. Ohne Regional- und Stadtplanung. Ohne Strom aus der Steckdose.

Und ohne Mensch, der kam erst viel später dazu.


Später dann, noch viel später, im Jahr 1971, also ein Jahr vor der Eröffnung der Olympischen Spiele in München, schrieb der gebürtige Münchner Alexander Mitscherlich in „Umwelt aus Beton oder Unsere unmenschlichen Städte“ (Herausgeber Uwe Schultz im Rowohlt Taschenbuchverlag) ein Nachwort.

Daraus lasset uns zitieren: „...Stellen wir uns vor, wir hätten die Macht, ein gut Teil der Baugesetze und Durchführungsverordnungen außer Kraft zu setzen und die einschlägige Bürokratie damit zur Selbstverantwortung zu zwingen. Wären damit die Planungsprobleme beseitigt? Ein Stück Aktionsfreiheit hätte man dabei gewonnen, aber es würde sich wahrscheinlich auch herausstellen, daß manche Arbeitsgruppe der Kommunalverwaltung unfähig wäre, in eigener Verantwortung sachgerechte Entscheidungen zu treffen. … Nehmen wir an, die Sozialisierung städtischen Grund und Bodens würde Fortschritte machen, das entscheidende Hemmnis progressiver Stadtplanung würde damit wegfallen. ...“ Soweit die aus unserer Sicht unbestritten weiterführende Erkenntnis zur verordneten Stadtentwicklung von Alexander Mitscherlich.


Ebenfalls im gleichen Büchlein von 1971 zum Phänomen Stadt: „... Die Städte nehmen die wachsende Weltbevölkerung in zunehmende Maß auf. Stadtbewohner (nicht die Landeier. Anm. des Verfassers) haben die Entdeckung der Naturgesetze vollbracht, von Archimedes bis Einstein .

In den Städten wurden die Techniken entwickelt, die schließlich in die eine große Industrietechnik dieses Jahrhunderts eingingen. Städte wurden rational entworfen im Zuge der Hoffnung auf Vernunft, die das 18. Jahrhundert hegte. Es blieb fast immer beim Entwerfen. Städte wuchsen langsam in Generationen. Das 19. Jahrhundert brachte das Wildwachstum der Mietkasernen und Hinterhöfe, und in den Vereinigten Staaten die öde Zahlenmechanik am Rechenbrett der Straßenblocks. Seit dieser Gründerzeit auf beiden Seiten des Ozeans ist Stadtplanung als Forderung ein Deckmantel dafür, daß Planung nicht stattfand und auch gar nicht erwünscht war. Wachstum fand statt, Profitwachstum; das trostlos, rußige Backstein Ostend produzierte für die ansehnliche Bürgerschaft im Westend. ...“ (Ende Zitat)

Dies gilt bis zum heutigen Tage unvermindert und gleichermaßen, mittlerweile 43 Jahre später!


Die Industrietechnik und die von ihr daraus entwickelten und ständig erneuerten sogenannten „Innovationen“ im Detail üben Reize aus.

Der Fingerprint zum Öffnen des Smarthouses ersetzt den guten alten Wilkaschlüssel ersatzlos, das vernetzte „UltraBook“ die altehrwürdige Gohrsmühle mit verschieden farbigem Durchschlagpapier.

Trotzdem sind wir zu blöd, Trassen für Brauch- und Abwasser und die nötigen elektrischen Steuerkabel geordnet, in ästhetischer Optik an und in die Decken und Wände zu schrauben.

Die jeweilige Software übernimmt erfolglos die Platzierung und Dimensionierung der technischen, lobbyistisch vermarkteten HighEnd-Licht-Produkte, bis man vor Übelkeit ob des grausamen Anblicks den sündteuren köstlichen Château Latour 1961 wieder ausspeit.

Auch deshalb habe ich ein Faible für subkulturelle Ästhetik und kreative Unzulänglichkeiten.

Da passt´s einfach.

Eine Entwurfs-Küche ist nämlich zum Kochen da und nicht zu Repräsentationszwecken. Und wenn man kocht, dann spritzt es. Wie wenn man hobelt, dann fallen Späne.


Zur Aktions-Kunst, zur Arte Povera wird Kochen, wenn man sich das mediale Angebot der Kochkönige und ihrer Kunst zu Gemüte führt und dabei virtuell Gemüse blanchiert oder Lammrücken bei 180° im Backrohr geduldig gart, während man am 4 Meter langen gebürsteten Eichentisch mit dem mittig verlaufenden Bröselentsorgungsspalt aus der pappenen Transporthülle eine Capricciosa genüsslich mümmelt; lauwarm, ölig und matschig, mit beim Transport ungleichmäßig verrutschtem Belag, ähnlich den gestapelten Eisschollen auf Caspar David Friedrichs Leinwand.

Und dazu plätschert ein im Verhältnis zur Pizzaqualität unverschämt teurer, im Weinkühlschrank exakt temperierter edler Tropfen ins mundgeblasene Muranoglas, vielleicht ein 61er Château Latour.


Wenn dann noch die Rohrstränge und Kabelbündel in der Loftküche mit Verve und Geschmack intelligent verlegt sind, ist das durchaus vergleichbar mit schamlos teurer Kunst, mit der den Möchtegern-Kunstkennern die Noten regelmäßig bündelweise aus den Taschen gezogen werden.

„Gut ist, was teuer ist“, heißt die marktorientierte Betrachtungsweise in kunstorientierten Kreisen.

Die Pizza, auch heißer Teig genannt, war vergleichsweise günstig und schmeckt dementsprechend.


Meist haben die Kreateure der edlen Leinwände und Skulpturen von den Auktionsergebnissen ihrer Werke leider nichts mehr, weil sie schon seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten verstorben sind.

Dafür profitieren aber die mentorisierenden Auktionshäuser und kunstfördernden Banken.

Das muss einem doch suspekt erscheinen?

Was für ein zynischer Anachronismus herrscht auf dieser Welt.


Ganz vergessen: die Dreifaltigkeit „Licht. Luft und Sonne“.

Also der Panthersprung zum Produkt „Gebäude“, dem kleinsten gemeinsamen Vielfachen einer Stadt.

 

Es werde Licht“ ist biblisch gesprochen. Es handelt sich dabei nicht nur um ein Naturphänomen, dass das Leben auf unserem Planeten erst ermöglicht und Tag und Nacht unterscheiden hilft.

Osram macht die Nacht zum Tage“ hieß es früher einmal. Hier ist das Licht aus dem Glühstrumpf oder dem LED-Leuchtmittel gemeint, vielleicht in eine schöne Leuchte verpackt und energiesparend leuchtend. Osram und Kollegen haben die offene Flamme und den Kienspan abgelöst.

Licht und reale oder gefühlte Wärme gehen dabei Hand in Hand.

Windig oder photovoltaisch erzeugt. Gratisenergie garantiert (?) CO2-frei.


Japan rüstet wieder auf und vertraut auf sich erst in 10.000en von Jahren halbierende strahlende Energieträger. Bloß nicht aus Fehlern lernen.

„Fuck u shima“ ist allerorten präsent, bei uns allerdings total sicher.

Sollte es ganz dumm gehen, und bei uns ISAR 1 oder 2 wider Erwarten ein Schlupfloch für seine ungesunde Strahlung ins Freie entdecken, wäre es möglich, dass man den Unbedenklichkeitsfanatikern nicht einmal den Arsch aufreißen könnte, weil dies schon der Supergau erledigt hätte.


Licht zwängt sich aber auch durch die eingestanzten Öffnungen in der Hülle.

In vermeintlich großer Freiheit springen Wand und Nichtwand oft fast übermütig vor des Menschen Pupille, mit und ohne Rhythmus.

Man kann sich mit Recht fragen: handelt es sich dabei um ästhetische Symbole der Spiegelbilder unserer disharmonischen Gesellschaften, ist es Verpackung einer neuen Ornamentik, ist es ein folgerichtiges Derivat der „Wischfunktion“ bei der sprachlosen Kommunikation unserer Zeit, handelt es sich um logarithmische Skalierungen für Fassadendiagramme, dient es der Vernetzung oder Auflösung der dahinter gelegenen Raumstrukturen, hat das Innen noch etwas mit dem Aussen zu tun, definiert es ein „Neues Kollektiv“ des kulturellen Ganzen, führt es die anachronistischen geordneten Fassadenstrukturen ad absurdum, vereinfacht es Konstruktion und Detail, ist es dialektisch und zugleich Einheitsdialekt der zeitgeistigen stylischen Architektursprache, hat es etwas Phantastisches, kann es dem Vergleich mit einem Jandlschen Gedicht standhalten?

Oder ist es eher das optische Desaster einer geistigen Verwirrung, „weil man es halt zur Zeit so trägt“; also einfach ein Krampf, wenn apodiktisch verwendet?

Tanzschritte auf Fassaden zu kopieren ist nicht verwerflich und bei hoher Genialität eine Bereicherung zum „Alltag der Fassaden“. Aber nicht jeder Tanzkursbesucher hat ansprechende Ergebnisse erlernt, die sich lohnen, den Sehenden zu zumuten.

Soviel zum Lebenslicht.


Nun zur Atemluft.

Stoßlüftung, kontrollierte Wohnraumlüftung, klimatisierte Lüftung mit fühlergesteuerten elektrischen Fensterhebern und gefilterten Frischluft-Ansaugstutzen usw usf …

Stoßlüftung beherrscht heute so gut wie niemand mehr, Schwammerlzuchten all überall, wir danken den überdämmten neuen Gebäuden, bei denen noch niemand ehrlich berechnet hat, was Herstellung, Transport, Entsorgung und Endlagerung der KfW geförderten Marshmallow-Fassaden für CO2-Eintragungen in unsere Atmosphäre entlassen.

Alles im Griff“ auf dem sinkenden Schiff sagt der vertauenserweckende freundliche Lobbyist der Dämmstoffherstellerindustrie. Wenn unsere Kinder Enkel haben, sind wir und der Lobbyist längst in die ewigen Jagdgründe hinüber gewandert, die Verantwortungsübernehmer sind wieder zu Staub geworden und haben sich rechtzeitig aus demselben gemacht.

Eines Tages hilft nur noch künstliche Beatmung aus der „Otwo“-Flasche, wie bei den kurzatmigen Mount Everest Bezwingern, und das dann schon auf Meereshöhe (die sich übrigens stetig steigend entwickelt).

Wir haben alles im Griff.


Die Klimaerwärmung hat nichts, aber auch gar nichts mit der guten alten Stoßlüftung zu tun.

Steigt das Wasser beispielsweise an der niederländischen Küste auf Grund der Erderwärmung an, dann kommen unter anderem die Holländer halt zu uns. Überhaupt kein Problem. Ganz im Gegenteil, in diesem Verbund sind wir dann auf Jahrhunderte zumindest im Fußball unbesiegbar.


Und so steht es voraus schauend schon in der niederländischen Nationalhymne geschrieben:

Wilhelmus van Nassouwe
ben ik, van Duitsen bloed,
den vaderland getrouwe
blijf ik tot in den dood.
Een Prinse van Oranje
ben ik, vrij, onverveerd,
den Koning van Hispanje
heb ik altijd geëerd.“


Auf ihrer lebensrettenden Fahrt in unsere Trockendocks zocken wir sie dann mit extrem hohen Mautgebühren ab.

Das nenne ich Weitsicht, Herr Dobrindt.


Die Sonne will noch besprochen werden.

Wer möchte:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/forschung-und-lehre/naturwissenschaft-und-philosophie-der-gestirnte-himmel-ueber-uns-12994386-p2.html


Eine FAZ-Betrachtung jenseits der Diskussion zur Energiewende, der, mangels persönlichen Detailwissens zu diesem Thema, nichts Ergänzendes hinzugefügt werden kann.

Aber es ist durchaus eine verfolgenswerte These zur eigenen Behauptung, mit dem Denken nicht erst beim Spiel zu beginnen, das die Älteren unter uns früher als Bereicherung in ermüdenden Schulstunden zur geistigen Erfrischung unter der Schulbank gespielt haben.

Sein Name: „Stadt Land Fluß“.


Zu verurteilen ist die durch großzügige (?) Drittmittel unterstützte fixierte Auftragsforschung als conditio sine qua non.

Professor oder Professorin wird der oder die, der oder die neben Forschung und Lehre die Fleischtöpfe der Bildungsstätten mit Euronen oder Dollarnoten füllen hilft. Schlechte Bezahlung ist trotzdem garantiert. Allerdings sollte nicht übersehen werden, dass die Vermittlung von Bildung durch höchst Qualifizierte nur Sinn macht, wenn sie sich eben auch dazu BERUFEN fühlen. Das wäre dann Erstmittel unterstützte Forschung und Lehre.

Erstmittel sind beispielsweise Neugier, Engagement, Idealismus und Intelligenz.

Der Fortschritt der Erkenntnisse und ihre wissenschaftliche Verdichtung benötigen natürlich Geld in unseren Zeiten. Sie benötigen aber auch jegliche Freiheit im kreativen Denken, ohne vorherige Verpflichtung, ein ökonomisch verwertbares Ergebnis erzielen zu müssen. Dies könnte man dann als das etwas andere „wahre“ Wachstum bezeichnen. Gebt den wenigen Erfindern eine echte Chance, „sonst wird das nix mit dem Grand Prix“.

Das ist der unverzichtbare philosophische Aspekt in der Sache.


Aus Fehlern wird man klug“ oder man sollte es zumindest meinen. Deswegen reaktiviert wohl die japanische Regierung derzeit ihre „schweizerkäseartigen“ AKW´s.

Auch im notwendigen Blick nach vorn müsste das verbesserungswürdige Geschehene und Vergangene selbstverständlich im Augenwinkel behalten werden. Sonst gäbe ja es den Zwang, immer bei Adam und Eva beginnen zu müssen. Vielleicht wäre dies aber dennoch einen Versuch wert?


Die Energiewende setzt (auch) auf die Sonne oder sie sollte es. Die Energie der Sonne gibt es gratis, nur ihre Aufbereitung und Verteilung ist kostenpflichtig. Das bedeutet, dass eine Einnahmequelle für die Lobby entfällt, kurz gedacht. Dafür wird an noch nicht vorhandenen Endlagerstätten, Wiederaufbereitungs- und Reparaturkosten für die weitere Verwendung der maroden Energie-erzeuger kräftig eingespart.

Auch der Eisbär könnte überleben, er weiß nur nichts davon.


Aber die Rettungstrasse für unsere lebenswerte Zukunft von Nord nach Süd geht nicht knapp an meinem Grundstück vorbei oder gar darüber hinweg. Das können Sie mir glauben.“

Soweit geht das geheuchelte Interesse am lebenswerten Lebensraum für künftige Generationen dann auch wieder nicht, formuliert der bürgerliche Widerstand. Da lob ich mir dann doch den Widerstand der Franzosen beim Sturm auf die Bastille oder die Flugblätter der Weißen Rose.

Denkt man daran, dann überzieht kalter Schweiss den eigenen schwachen Körper und Selbstzweifel nagen an Herz und Verstand ob der eigenen Untätigkeit und Feigheit.

Und doch gelingt es erstaunlicherweise, der Sonne und ihrer Kraft eine Pilotprojekt-Chance zu geben, manchmal. Gefördert und mit Unterstützung versteht sich.

An der Optik der technischen Errungenschaften und der breiten Akzeptanz allerorten wäre noch zu arbeiten!


Viel Feind, viel Ehr´!“ befand Georg von Frundsberg nach der siegreichen Schlacht im Jahre 1513 über das Heer der vermögenden Venezianer.

Nicht dass unser Tun direkt mit einer Schlacht vergleichbar wäre, aber mit gewaltfreien und heftigen Auseinandersetzungen an diversen Fronten allemal.

Unser Tun kann uns zu unseren Lebzeiten nicht zum Sieg gereichen, das unterscheidet unser Tun vom siegreichen Tun des Georg von Frundsberg.

Bauliche Ergebnisse aber können Jedermann und Jedefrau und Jedeskind und Jedestier sehen.

Ob unsere Mauern sich aber wirklich „sehen lassen können“, bleibt zunächst eine offene Frage.


Geschrieben wurde soeben über 115 geförderte Wohnungen in München, Sendling-Westpark, für die GWG, der Städtischen Wohnungsgesellschaft München mbH.

Der Bezug der Gebäude steht kurz bevor, der Start für ihre Bewährungsprobe ebenfalls.

Das am Anfang angekündigte Zertifikat ist noch nicht geschrieben. Sicher ist, dass das Projekt verbesserungsfähig ist. Wäre dies nicht der Fall, könnte man schon jetzt von „misslungen“ sprechen.



Heinz Franke

Franke Rössel Rieger Architekten