FRANKE RÖSSEL RIEGER

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Privileg

 

Ein demokratischer Ansatz sollte auch in ergebnisoffener Ost-West-Kausalität vorhanden sein, siehe unten.

Im politischen ... wie im architektonischen Sinn.

Das grundsätzlich ohnehin schon „Privilegierte“ verbietet sich selbst alle weiteren Sub-Privilegien.

Punktum.

 

Als Metapher für Privilegien sei erwähnt, dass Mitte der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts das Label „Quelle“ (also semantisch betrachtet so eine Art Ursprung der Produktgestaltung und -kommunikation) unter eben diesem Namen technische Geräte in eigentlich hoher Qualität quasi mit voronlineartiger, in einem papierenen Katalog dokumentiert, Bestellmöglichkeit zur Haushaltsarbeitsentlastung zur Verfügung stellte.

Heizkörper, Herde, Kühlschränke, Nähmaschinen, Spülmaschinen, Taschenrechner Waschmaschinen wurden den Privilegierten unter den Unterprivilegierten mit dem Produktnamen „Privileg“ angeboten.

Die „Ghosthersteller“ waren zumeist namhaft, hatten aber zugunsten eines Preisvorteils der „Privileg-Produkte“ die Designambitionen geerdet, was nicht schlecht sein muss.

 

In der ehemaligen DDR hergestellte Haushaltsgeräte entsprachen von Haus aus schon einem eher pragmatischen Gestaltungsansatz und brauchten keinen Blitzschutz mehr.

 

Interessant war der Marktanteil (um die 25% anfang des 21.jhdts.) dieser nativen, fast gestaltungsfreien Privileg-Produkte nach dem guten alten Dogma „Form Follows Function“, ganz frei nach Horatio Greenough, der entgegen anderslautender Behauptungen dieses Wortspiel als erster schon im Jahre 1852 den „Designorientierten“ hinter ihr Ohrenschmalz in die Gehörgänge einflößte. So richtig begriffen haben diese den Sachverhalt allerdings bis zum heutigen Tage nicht.

Ein Beispiel ist das sich verändernde Münchner Stadtbild der neuesten Neuzeit, bei dem man sich die Frage stellt: „Was war zu erst da? Die Henne oder die Henne?“.

Das Ei ist anscheinend unexistent, da doch vielem der gleiche Gestaltungsduktus innewohnt (Psst! Es gibt in der Natur einen eindeutigen Unterschied von Henne zu Ei und umgekehrt!); das strahlende Rendering-Weiß der Fassaden z.B., welches nach den ersten 10 Regengüssen ins Unansehnliche mutiert;

oder die irgendwie tanzenden Fenster, deren SchöpfernInnen man absprechen, auch nur einen Grundkurs in den sogenannten Standardtänzen belegt zu haben.

 

Übrigens, oftmals begegnet einem die Schreibweise „Standart“, mit hartem T am Ende, vielleicht durchaus auch ernst gemeint?!

Die Frage sei erlaubt, ob Korrekteure der Artikelschreiber es versäumt haben, die beiden Silben von einander zu trennen:

also Stand Art, was übersetzt soviel heißen könnte wie Stillstands Kunst!

Das wäre dann ein Widerspruch in sich, denn tanzende Fenster stehen gezwungenermaßen eben gerade nicht still.

 

Um das eingangs Erwähnte zu hinterfüttern: das Privileg der künftigen NutzerInnen unseres „privilegiert Wohnen“-Projekts ist z.B. die Gleichstellung der Wohneinheiten durch entweder Ost- oder West- oder Ost- und Westorientierung, ohne das Privileg, am jeweiligen Ende des Gebäudes für Wenige einen Norderker oder einen Südbalkon anzubieten, oder die Heizenergiekosten für unterschied-lich angeordnete Wohnungen eben keiner teuren und wenig zielführenden Ablesetechnik durch Ableseunternehmen zu unterwerfen.

Wer kann nach externer Zuteilung seiner zu beziehenden 4 Mietwände etwas dafür, dass er mehr Aussenwandanteil zu befeuern hat, als der im Sandwich lebende Mieter, der, wenn die Umliegenden aus vollen Rohren heizen, selbst bei widrigen Außentemperaturen den Heizkörper, mit entsprechender Linksdrehung des Thermostatventils bis zum Anschlag, in den Energiespar-Schlafmodus versetzen kann.

 

Das angeblich den Energieverbrauch senkende Styro-Hasenfell um den BauKörper wird i.d.R. nie in der Gesamtbilanz betrachtet, also vom Ressourcenklau über die Herstellung und den Transport zum schwächelnden ENEV-Delinquenten = Gebäude, vom Rückbau nach Algenbefall, den Transport zur Zwischenlagerstätte und die minus-ökobilanzierten Nachwirkungen für kommende Generationen.

Da lob ich mir die ägyptischen pyramidalen Pyramiden!

 

(Im Falle, es handelt sich um ein cubanisches oder brasilianisches Privileg-Projekt, erübrigt sich das Styro-Hasenfell zur Gänze.

Wir wissen, von was wir sprechen.)

 

Summa:

Alle bezahlen im gleichen Verhältnis für die im Gebäude verbrauchte Heizenergie, nach bewohnerbarer Fläche aufgedröselt.

Also auf Basis von gesellschaftspolitischen, sozusagen genossenschaftlichen oder aber auch solidarischen Kriterien.

Da dreht es dem Bogenhausener, Menterschwaigler oder Grünwalder Marktwirtschaftler natürlich den Magen um. Das Sendlinger Urgestein hingegen wird es wahrscheinlich zu schätzen wissen.

 

Es gibt also, zumindest in dieser Hinsicht, keine privilegierten Wohnungen in unserem Angebot, was aber, um es gleich vorweg zu nehmen, keine gleichmacherischen, sozialistischen Hintergründe hat, sondern systembedingte Nachteile sinnvoll abgleicht. Heureka!

...nennt man so etwas!    

 20140707fra