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Sonntäglicher Museumsbesuch

Kunstgenuss am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen

 

Einer der bewegendsten Orte in unserer Münchner Stadt ist der Kunstbau des Lenbach Hauses, am Rande des Königsplatzes gelegen.

Auf geniale Art und Weise wurde 1994 der unter der Luisenstrasse und über der U-Bahntrasse gelegene leicht geschwungene „Sandwich(t)raum“, einstmals als „Brachfläche“ keiner Nutzung zugeordnet, von Uwe Kiessler in ein Ausstellungspradies verzaubert.

Für das damalige Opening konnte Dan Flavin mit einer großartigen Lichtinstallation gewonnen werden. Ich erinnere mich an das damals erlebte „Gänsehautgefühl“, das die Oberkörperbehaarung durch den mit 6er Nadeln großmaschig gestrickten Wollpullover aus schierer Begeisterung klar erkennbar durch die Maschen drückte.

 

Vom 26. Juli bis 07. September 2014 können sich die Körperhaare jetzt den gleichen Weg bahnen, das damalige Opening erlebt eine Wiederaufnahme.

 

Am vergangenen Sonntag (27. Juli 2014) zog das Kunstsandwich den Pulloverträger wieder magisch an.

Da verharrt man schon einmal eine Weile am oberen Rand der den Ausstellungsraum erschließenden Rampe, andächtig und erfürchtig, staunend und fröstelnd und ergötzt sich an Kiesslerscher Architektur und Flavinschem Licht. Allein zur frühen Stunde, dezent umringt von ebenso andächtigem Aufsichtpersonal, so schien es zumindest.

 

Plötzlich (2?) leise murmelnde Stimmen in der Stille, vermeintlich ebenso andächtig und erfürchtig, staunend und fröstelnd wie der Pulloverträger selbst, sich an Kiesslerscher Architektur und Flavinschem Licht ergötzend. Jetzt war aber keine Zeit, sich umzudrehen, um in die begeisterten (?) Gesichter zu blicken.

Nach kurzer Zeit verließen die im Rücken des Betrachters stehengebliebenen Murmeleien den Augenschmaus in Richtung Eingangstheke um unmissverständlich und gut hörbar in freundlichem Ton die Frage zu stellen: „Entschuldigung, wo ist denn hier bitte die Ausstellung?“.

Die Antwort lautete: „ Sie befinden sich bereits am Beginn der Ausstellung, bitte folgen Sie dem Rampenverlauf nach unten, dort können Sie die Ausstellung dann begehen“.

Gesagt, getan. 10 Meter in die 110 Meter lange Tiefe des Raumes eingedrungen, damit zufrieden mit dem Erkundeten und in dem tiefen Glücksgefühl, alles gesehen zu haben, die flach ansteigende Rampe wieder Richtung musealer Auskunft schreitend, mit fragendem Blick anscheinend.

Drüben, im Lenbach Haus ist dann die richtige Ausstellung“, war die Antwort der netten Museumsaufsicht am Eingang auf die unausgesprochene, aber den Augen ablesbare Frage der Besucher: „Entschuldigung, war das alles?“

Und Abgang...

 

Endlich wieder allein im Zauberwald der Sinne, schoss es dem in grobe Maschen Gehüllten durch den Kopf.

Kunstgenuss am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen … nämlich!

 

Quelle: Flyer Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
Quelle: Flyer Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München