FRANKE RÖSSEL RIEGER

A R C H I T E K T E N

SCHWANTHALERSTR.12

D-80336 MÜNCHEN

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Arbeitstitel

Der Architekt ist kein Moral-Apostel

Das Folgende ist ein Appell, keine Provokation

Wir misstrauen allen Ideologien und

wir suchen nach Fehlern in unseren Theorien.




Sanduhr

Mangelerscheinungen sind z.B. Skorbut, BeriBeri, Pellagra.

Uns fehlt es an Wohnungen, auch eine Mangelerscheinung.

In einem der reichsten Länder der Erde, heißt es!

Wenn das obere Dreieck leer gerieselt ist, ist die Uhr abgelaufen, der Mangel wird Krankheit.

Die Sanduhr steht mit Absicht nicht auf der Spitze!




Vertrauen gehabt, Vertrauen verloren

in die Allmacht der Verantwortlichen, in den freien Markt und das grenzenlose Wachstum, diese Denkweise macht sich gerade allerorten breit.

Ich z.B. bin bei 1,89m Wachstumsgrenze stehengeblieben!

JETZT ERST denken wir nach in Expertengremien, was wir tun könnten und müssten um die Mangelerscheinungen zu besiegen. Wir sollten längst praktizieren!




Technikgläubigkeit

Technik kann viel helfen, aber nicht allen und nicht immer.

Meistens merkt man dies – auch aus Gutgläubigkeit – erst viel zu spät.

Links ist der Lack schon ab, rechts „schau mer mal“.

Wie nachhaltig ist eigentlich die Verwendung eines WDVS- Systems bezüglich: gewählter Rohstoff, Herstellung, Transport, Langlebigkeit, Ausbau, Entsorgung, Zwischenlagerung, Endlager.

Geht es in die Hose, ist es mit einer Entschuldigung später dann nicht mehr getan.



 

Vilém Flusser

unser Ziel

ist privilegiertes Wohnen für Nichtpriveligierte, für Lastenträger.

Im freien Verkauf wäre der m² Wohnfläche - ortsüblich gedacht - gut und gerne bei 6000 – 7000 € anzusiedeln.

Mit ein bisschen mehr designorientierter Ausstattung würde man unser Projekt in München 5-stellig verkaufen können.

Extraordinäre Parklage!




Das Haus - unser Haus - muss viel leisten können.

Wir wollen den Wohnungs-Mangel nicht verwalten, wir wollen mithelfen, ihn zu beseitigen.

Jeder neu designte Flaschenöffner ist Ressourcen-Verschwendung. Meist funktioniert der Neue mehr schlecht als recht. Besser als hier zu sehen geht es nicht. Man könnte hier von Öffnungskultur sprechen.

Wir korrigieren die Aussage „less is more“ von Ludwig Mies van der Rohe, der diese übrigens gar nicht erfunden hat.

Die Wahrheit ist nämlich: weniger ist weniger + mehr ist mehr.




Sprachlosigkeit

ist manchmal fast ein Segen.

Im Sinne von: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.

Karl Valentin meinte: es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von Allen

Und doch reden wir gerade über die Beseitigung des Wohnraummangels.

Silber wird Gold, wenn daraus ein Dach über dem Kopf werden kann.




Webmuster

Niemand kann behaupten, dass das gute alte Hahnentritt-Muster eine Dame oder einen Herrn nicht exquisit schmücken kann.

Das Phänomen der Wiederholung tut manchmal gut und kann einem Etwas durchaus zur Ehre gereichen, und das auch noch bei günstigem Einstandspreis.

Das hatte schon Johann Sebastian Bach bewiesen, und der war ein anerkannter Minimalist, mit der Kunst der Fuge nämlich.

Wiederholungen können sogar brillant sein, Improvisationen auch!




einfach Einfach

oder Leicht ist schwer was.

Das ist dieselbe Prägung für die gleiche Medaille.

Grundformen und fundamentales Denken helfen beim Sparen.

Die Pyramiden waren zwar teuer, sehr teuer, aber nicht wegen formalen Aspekten, sondern wegen ihrer menschenunfreundlichen Bauweise, dem beschwerlichen Antransport des massiven Materials auf dem Nil von irgendwo her. Der ganze Aufwand für nur eine Person.

Ganz und gar nicht förderfähig im Sinn der Wohnraumförderung!

Wir bestaunen sie heute noch, die Pyramiden.

Dies ist unter anderem bei Asterix und Obelix nachzulesen!




Das Tragwerk

Was soll der Tragwerksplaner bei diesem uninspirierten Gefüge eigentlich noch berechnen?

Kann man mit dieser Denkweise überhaupt Arbeitsplätze und damit unseren Wohlstand sichern?

Zumindest könnte man mit bezahlbarem Wohnraum ein bisschen Wohlstand an diejenigen weitergeben, die gerne in München wohnen würden, zur Miete versteht sich, sich dies aber eigentlich gar nicht leisten können. 9 € / m² Wohnfläche für eine Neubauwohnung sind in dieser Stadt eher die Ausnahme.

Die Grundstückspreise und die explodierenden Baupreise sind schuld, sagt man, die Anforderungsprofile an das Bauen nicht zu vergessen. Ausreden!




Let´s jump into the urban space

Identität schaffen und auf Egoismus und Stararchitektur verzichten, ist legitim. Dies schafft Heimat für diejenigen, die ihre Heimat freiwillig oder gezwungenermaßen verlassen haben oder verlassen mussten.

Die wirkliche und notwendige Baukunst ist sowieso die Ausnahme und glänzt dann um so mehr.

In der Regel zieht man sich Kleidungsstücke an, und schmückt sich mit einem Ring.

Die Ausnahme ist, sich mit vielen Ringen zu bekleiden, um sich dann mit einem wollenen Tuch zu schmücken.

Eigentlich ist es ganz einfach. Man muss nur was tun.

Unser Credo dafür haben wir bei Karl Kraus entwendet, verzeihen Sie, Hans-Otto Kraus:

„...ich lese keine Manuskripte und Drucksachen,

brauche keine Zeitungsausschnitte,

interessiere mich für keine Zeitschriften, begehre keine Rezensionsexemplare und versende keine...“,

sagt Karl Kraus.

Unter uns, manchmal lesen wir doch etwas...

Ach ja, die Vorschriften und anerkannten Regeln der Technik hat er übersehen, der Herr Kraus, der Karl, weil es diese damals noch nicht gab. Nicht alles, aber das war damals auf jeden Fall besser!




Also: Grüne Häuser

Häuser im Grün

mit Dach, gesattelt,

keine Bauhaustradition, aber auch nicht toskanisch,

wir finden nicht unintelligent gedacht, bescheiden gestaltet und konstruiert,

mit sinnvoller Technik versehen.

Auf Überflüssiges wurde, auch gegen Widerstände, verzichtet.

Vorgetragene Bedenken zum Projekt haben wir ausgesessen.

Das Ganze ist nämlich auch ein Stück weit Politik!

Der Bau hat begonnen! Die Ideen werden real, EXPO REAL.

Wir schauen in 50 Jahren nochmal vorbei, ob die Bewährungsprobe

gut ausgegangen ist.

 

Manchmal sind zwei Schritte zurück besser als ein Schritt nach vorne, z.B. wenn vor einem der Abgrund gähnt.


 

Ich danke Ihnen für ihre Leidensfähigkeit und Geduld.

 

 

 

©    Franke Rössel Rieger Architekten, 06. Oktober 2015

         "Strategien für kostensenkendes Bauen", EXPO REAL FORUM A2.540


         Bilder, Collagen, Texte: Heinz Franke, Franke Rössel Rieger Architekten

         Planauszug zu "Das Tragwerk": lieb obermüller + partner