FRANKE RÖSSEL RIEGER

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Der Sturm im Glas

 

 

Nicht, dass das Glas übervoll war.

Nicht, dass das Glas schief stand und deshalb überlief.

Nicht, dass das Glas gesprungen war und Flüssigkeit entließ.

 

Alles war im Lot -zunächst- und intakt und im Takt.

 

Bis später starker Wind aufkam.

Bis das Wasser im Glas sich kräuselte und die Ufer überspülte.

Bis aus halben Noten Vierundsechzigstel wurden.

 

Alles war nun eine Frage von Dichte und Weite geworden.

 

Das Neue würde unbekannte Gesichtszüge haben.

Das Neue könnte natürlich keine Kopie des Alten sein.

Das Neue wäre nicht das Gleiche wie das Alte, wäre es auch dasselbe.

 

Alles Alte war gewesen, das gegenwärtige und künftige Neue würde sein.

 

Nicht, dass Neues deshalb lebendige Zukunft bedeuten muss.

Nicht, dass dazu ein Orakel befragt werden kann, Delphi ist längst gestorben.

Nicht, dass eine Feuersbrunst trotz Sturm nicht aufzuhalten wäre.

 

Der Sturm im Glas legt sich nicht durch eingeübte Erklärungen.

Der Sturm im Glas legt sich erst, wenn der Sturm außerhalb des Glases eingeschlafen ist.

 

 

Zitat Oscar Niemeyer:

Die Leute wollen immer alles erklärt haben. Mich nervt diese fordernde Mittelmäßigkeit“.

 

 

20151229fra