FRANKE RÖSSEL RIEGER

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 Architektur ist wie Milchreis,

 

man vergnügt sich am Geschmack und ergötzt sich an den dekorativen Zimtspuren und zuckriger Süße auf und in der schlunzigen Masse. Ein einzelnes Korn ergibt noch keinen Milchreis, dazu braucht es schon viele Körner.

Man muss sich auch nicht um das Kennenlernen des einzelnen Reiskorns bemühen.

 

Dies mag für den Milchreis genügen, jedoch nicht für Architektur.

Die Reiskörner der Architektur sind Menschen, nicht Steine, Schrauben und überflüssige Dekoration. Da gilt es, sich um jede einzelne und jeden einzelnen zu bemühen. So wie man es für sich selbst auch als selbstverständlich erachtet.

 

Schön ist etwas, wenn es in Beschlag genommen wird. Ehrfürchtig davor zu erstarren schafft Distanz und keine Nähe. Eine anständige überlaufende Portion Milchreis im Mund und diesen zwischen Zunge und Gaumen genussvoll zu zerdrücken, bis er flüssige Konsistenz annimmt, das war und ist Wonne pur, vorausgesetzt man mag ihn, den Milchreis.

 

Betreten wir die architektonischen schlunzigen Konsistenzen ohne Furcht mit einem Schmunzeln im Gesicht , man könnte es auch „mit Freude“ nennen. Die Konsistenzen der Vergangenheit und die der Gegenwart, die - die immer dichter werden, wie Milchreis. Man muss sich nicht darum bemühen, jedes einzelne architektonische Korn mühsam zu zerbeißen und zu sezieren. Das große Ganze ist es, das uns gefangen nehmen muss. Wenn es geht, sogar ohne dekorative Zimtspuren und zuckrige Süße.

 

Unzulänglichkeiten von Individuen geschaffen, zufällig, ohne Rücksprache mit Gesetzmäßigkeiten, situativ und impulsiv, sind die Appetizer für Architekturanalysten und ihre Marketingkonzepte.

Sie werden schnell zu „Neuen Kreativquartieren“, als schicke Revolution sozusagen, und vertreiben schnell die ehemaligen Revolutionäre durch ihre Unbezahlbarkeit.

Die einen, die Impulsiven, das sind die Motoren. Die anderen, die Analysten, das sind die Kolbenfresser.

 

Ein bisschen Himbeersaft und eine schmal gezogene Spur aus Zimt reicht aus, um das kindliche Geschmacksempfinden auszulösen. Es sind die Räume, die guten Räume, nach denen wir uns sehnen. Vor allem auch die, die zwischen den umschlossenen Räumen liegen. Das Zwischendrin, nicht nur das Mittendrin.

 

 

 

20141005 + 20170913 fra

Rosé2  20180608fra
Rosé2 20180608fra