"Das Büro"

FRANKE RÖSSEL RIEGER

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"No Social Media"  20190612fra
"No Social Media" 20190612fra

 

 

 

Aus dem Bauch heraus

in Schwarz-Weiß

 

 

Das ist der Versuch, ohne Zuhilfenahme bei Sozialen Medien und digitalen Lexika, ohne Blättern in Büchern und anderem Geprintetem ein schwarz-weißes Bild zu formulieren, das sich wie aus dem gerade eigenen Erbrochenen lesen lässt. Aus dem Bauch heraus also.

Es geht auch nicht um Alte Weiße Männer oder Junge Schwarze Männer. Auch werden keine Bilder betrachtet, die sich aus Collagen von unterschiedlichen gefügten geöffneten klaffenden Scheren ergeben.

 

Das ist ein Versuch, der voraussichtlich zum Scheitern verurteilt ist. Insofern passt er bestens zu meiner subjektiven Wahrnehmung des eigenen Scheiterns und dem Lemminge artigen Scheitern der anderen Scheiterer.

 

Was für ein großartiger Scheiter(er)haufen sich daraus ergeben könnte, würde man all das übereinander legen und den Rest der Welt von all dem damit befreien.

 

Vor eigenen Minuten ist mir das Bild vom nach 27 jähriger Haft 1990 entlassenen Nelson Mandela vor dem inneren Auge erschienen, warum auch immer. Damals nach seiner Entlassung und in den Jahre danach bis zu seinem Tode war er einer der wenigen Hoffnungsträger der nach Freiheit und Gleichheit strebenden Mehrheit der Erdbevölkerung. Ein Alter Schwarzer Mann.

 

Im Moment werde ich Nelson Mandela stehen lassen für das, was auch mich kleines Würmchen immer nach vorne trieb und bewegte, was den Move in mir auslöste.

 

Ich nehme mir vor, künftig nur noch in Schwarz und Weiß zu denken, simultan und parallel, in der Hoffnung, dass sich daraus eine gute Mischung ergibt. Aufgepasst: es darf sich aus dieser Mischung KEIN Grau ergeben. Dies wäre fatal, das feige Grau müssen wir ja gerade ertragen.

 

Was mich im Moment des jetzigen Schreibens wirklich stört, dass mein Schreiben digital ist, ohne das Bild einer echten Handschrift zu zeigen, die verschmiert und korrigiert für sich betrachtet ein wie zufällig entstandenes grafisches Bild zeichnet, bei dem der Inhalt des Geschriebenen zur Nebensache wird.

 

Nichts habe ich zu sagen, nichts Neues jedenfalls, weil die Sager schon alles gesagt haben. Und selten nur sind die Sager keine Wiederholer und begehen keine ausgetretenen Pfade. Und selten nur sind sie keine Analysten und haben etwas erfunden, mit Neugier, forsch nach vorne gedacht. Das wirklich Neue ist dann einem Licht gleich, welches die Dunkelheit des Zukünftigen erhellt.

So schreibe ich Buchstabe um Buchstabe, Wort um Wort, Satz um Satz, Absatz um Absatz, Blatt um Blatt, bis ein Ende erreicht ist.

Wann dieses Ende erreicht sein wird, ist unklar, eigentlich wie bei jedem Ende. Alles endet meist entweder verfrüht oder verspätet, äußerst selten exakt mit dem Gongschlag.

 

Der französische Aufklärer und Philosoph François-Marie Arouet , also Voltaire, sagte den Satz: „die Zeit heilt alle Wunden“ (aus „Der ehrliche Hurone“, Kap. 20) .

Voltaire möchte ich nicht widersprechen.

Die Frage ist aber wohl doch, ob einem genügend Zeit beschieden ist, um die Heilung erleben zu können? Was für eine platte ergänzende Frage meinerseits.

Ich bleibe lieber bei: Voltaire möchte ich nicht widersprechen.

 

Immerhin, da sind es schon zwei Personen, mit denen ich gerade fühle und spreche. Voltaire und Nelson Mandela.

Es ist aber für mich wirklich nicht schwer, zwei Frauen anzuführen, mit denen ich oft fühle und spreche, die ich lese und nicht begreife, trotz mehrfacher Versuche.

De Beauvoir und Arendt. Darüber wird noch gesondert zu sprechen sein. Nur soviel, wenn ich sie lese, hülle ich mich in Schwarz-Weiß.

 

Wie ich es doch liebe, die Dinge nicht zu verstehen oder zu begreifen. Und doch hilft mir meine Wahrnehmung, dabei keine Leere und Stille zu empfinden. Unglaubliche Glücksgefühle drängen sich nach vorn.

Im Moment höre ich eine Lesung über „Les fleurs du mal“ von Charles Baudelaire. Wie melodisch ist die Sprache, besser als jedes noch so gute Musikstück von den größten Meistern dieser Welt. Nicht dass ich das Gelesene verstehen würde, aber ich sehe Bilder - in Schwarz-Weiß. Auch Claude Chabrol hat sie gemalt in seinem Film im Jahr 2003. Der Film ist nicht Schwarz-Weiß und eigentlich nur eine Adaption von Baudelaires Gedichten. Ich transponiere ihn in das Schwarze und Weiße, den Film.

So sehe ich noch immer La Grande Nation und mein geliebtes Paris. Seit mittlerweile fast 50 Jahren beherrscht die Unfarbigkeit meinen Blick nach Westen. Flaneure benötigen nicht die Überhöhung durch Farben, sie lieben die Konturen mehr als die Details, der Scherenschnitt und seine Präzision („Präzession“) begleiten sie bei der Prozession durch die Welt der Wahrnehmung. Ich verlange von mir, zu den Flaneuren zu gehören.

 

Und dann, und dann die Dirigenten, die auch Komponisten und Pianisten in einer Person und Schwarz-Weiß eingeschlagen waren.

Für mich stach da einer hervor, denn ich als Person bewunderte bevor mich seine Musik überwältigte.

Als er am 19. Oktober 1990 starb war ich gerade 36 Jahre alt geworden.

Es hatte mich jemand verlassen, den ich gar nicht gekannt hatte und er natürlich meine Existenz nicht auf dem Schirm hatte.

Sein Genie, seine Geschichte und seine große Kunst und meine Sehnsucht danach ließ uns unbekannter Weise zu Freunden werden.

Zugegeben, seit seinem Tod sind wir uns nicht mehr oft begegnet.

Dennoch hat er DEN großen Platz in meiner Erinnerung, besonders dann, wenn ich in Schwarz-Weiß eingeschlagen bin. Leonard Bernstein.

Ich sehe gerne Pinguine!

 

Auf die Personen, die ich subjektiv nicht mit Schwarz-Weiß verbinde, soll gedanklich nicht verzichtet werden, aber - sie mögen mir verzeihen – hier bleiben sie unerwähnt.

 

Die Reduktion auf das Bilaterale, auf die Nur-Zweifarbigkeit, diese Reduktion in meiner Seele und Gedanken entwickelt sich zunehmend zur Einfarbigkeit. Mich für entweder Schwarz oder Weiß zu entscheiden. Der präzise Prozess hat gerade begonnen und wird doch sehr schnell in eine Vorliebe münden, hoffe ich.

Durch und durch monochrom zu sein, eigentlich und im übertragenen Sinne, dahin führt der Weg, an dessen Ende man wieder zu Staub werden wird.

Trauerkleidung ist bekanntlich Schwarz, bei uns zumindest, Weiß bei den Buddhisten, im alten Ägypten herrschte Gelb vor und Afrika hat sich nicht festgelegt. Die Farbe von Staub ist vielfältiger Natur.

Ich lege mich fest und wähle das monochrome Schwarz in seiner ganzen Vielfalt.

 

Ist es so?

IST ES SO? So schallt meine staubender stiller Schrei in die Welt.

Kein Echo, keine hallige Antwort, rückstandslos Verschwinden, dann monochrom geworden, aber farblos, nicht Schwarz, nicht Weiß, nicht anderswie, hoffentlich vergessen.

 

Es hat sich jetzt in breiten Bevölkerungskreisen manifestiert „Schwarz zu sehen“ und Ängste für das eigene ich in den Vordergrund zu stellen.

Da gibt es die, die diese Ängste schüren, und die tragen sehr oft Schwarz.

Ich bin berührt davon, weil es auch die Farbe meiner monochromen Entscheidung ist. Könnte da nicht auch so etwas wie Stigmatisierung der „Schwarzen“ entstehen?

Vielleicht gelingt auch die Diskretisierung Vieler durch die Lügen Einiger. Die Erfolgsquote dafür steigt steil an wie die Kurve einer Normalparabel.

 

Aus dem Bauch heraus in den Darm und weiter in die Kläranlagen, wenn man das Glück hat, an eine funktionierende Kanalisation angeschlossen zu sein. Lügen freie Kläranlagen und Kanalisationen sind für das Zusammenleben essentiell und unverzichtbar. Basta.